Ich habe es mir anders überlegt

Neulich hatte ich ja mal geschrieben, dass es sich nicht lohnt, Autofahrer anzuzeigen, und gestern war es dann mal wieder soweit. Ein Autofahrer, der mich wegen Gegenverkehr nicht sofort überholen konnte, meinte, er könne sein Auto als Waffe benutzen.

Was soll man da tun? Nur weil die Polizei und die Staatsanwaltschaft keinen Bock darauf haben, alles auf sich beruhen lassen? Wenn mir auf der Autobahn ein Autofahrer mit blinkender Lichthupe in den Kofferraum kriecht, wird das ja auch verfolgt.

Also bin ich dann doch noch mal zur Polizei gefahren. Vorher habe ich mich ganz viel Ruhe gewappnet und dem festen Vorsatz, mich nicht abwimmeln zu lassen. Außerdem weiß ich mittlerweile, dass man keine Anzeige, sondern eine Strafanzeige aufgeben muss. Die einfachen Anzeigen waren es wohl, die bisher schon mal sofort im Papierkorb gelandet sind.

Eine Strafanzeige ist eine ernste Sache. Das kann durchaus auch schon mal vor Gericht landen. Man merkt das auch daran, dass man sie nicht einfach so am Schalter aufgibt, sondern ins Hinterzimmer gebeten wird. Eine Stunde hat der ganze Spaß immerhin gedauert.
Der Polizeihauptkommissar war durchaus freundlich und korrekt und machte nicht den Eindruck, als ob ihm das ganze lästig wäre. Aber er hat sich sehr viel Zeit dafür genommen, mich darauf hinzuweisen, dass ich mir nicht viel Hoffnung auf einen Erfolg machen dürfe. Dabei fielen durchaus anfangs einige Sätze, wie „vielleicht hat er es ja eilig gehabt“ und „in geschlossenen Ortschaften darf  ja gehupt werden“.  Nun ja, ich konnte ihn dann doch davon überzeugen, dass es mir nicht einfach nur ums Hupen ging, sondern darum, dass 40 cm neben mir gehupt wurde (auf die weiteren Umstände gehe ich hier jetzt mal nicht ein).

Nun geht das ganze seinen Weg. Ich werde berichten, wie die ganze Sache ausgeht. Irgendwann.

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6 Responses to “Ich habe es mir anders überlegt”

  1. Es hat keinen Zweck. Man kommt mit so einer Anzeige nicht durch. Immerhin hat der betroffene Fahrer eine Vorladung bekommen und musste sich äußern. Der Brief zur Einstellung des Verfahrens strotzte vor Unverständnis durch die Staatsanwaltschaft und war fast genauso ärgerlich, wie die Situation selber. Immerhin stand auch drin, dass es dem Fahrer leid täte. Ist ja schon mal ein Teilerfolg.

  2. Und Du hast natürlich keinen Widerspruch gegen die Einstellung gestellt? Das wäre der nächste Schritt, bis man dann irgendwann beim Klageerzwingungsverfahren landet.

    • Irgendwann, hat man keine Lust mehr gegen Windmühlen zu kämpfen. Es ist ja auch nichts passiert und morgen steht schon wieder der nächste Idiot auf, der meint, ihm gehört die Welt.

  3. Kann ich verstehen.
    Wenn es mal nur Windmühlen wären …
    Besonders schlimm aber ist es, wenn solche Leute dann eben auch Uniform tragen und über ihr lenkendes Tun und Handeln die vielen Idioten sich bestätigt fühlen lassen.

    Ich hab im Mai (oder war es doch schon Juni?) auf der Kleiststraße (aufwärts fahrend) einen besonders krassen Fall erlebt. Wurde mal wieder unangenehm eng (< 50cm Abstand, der Luftzug rappelte mich durch) überholt, natürlich ohne jede "Not". Nur war es diesmal ein Fahrschulwagen (!!) aus Herne, der kurze Zeit darauf ein Parkmanöver durchführte, so dass ich daneben anhalten und mal an die Scheibe klopfen konnte.

    Nu kommts, am Steuer saß der Fahrlehrer, daneben ein Mädchen, das wohl gerade die erste Vorführ"fahr"stunde erhielt. Auf meine Frage was das da eben sollte, brachte der Heini mit tiefem Ernst nur den einen Satz hervor: "Es gibt in Deutschland eine Radwegebenutzungspflicht!", woraus ich nur folgern kann, sein Fahrmanöver geschah also mit Vorsatz zum Zwecke einer vermeintlichen Erziehung von mir bösem, auf der Straße fahrendem Radfahrer (Vorsatz, da ist man fix beim Straftatbestand) und zu allem Überfluß kennt er entweder die StVO auch in Bezug auf Radwege entweder nicht, oder er trägt sonst eine Brille (hatte keine auf), denn an der gesamten Kleiststraße gibt es nunmal keinen einzigen benutzungspflichtigen Radweg.
    Und solche Leute bilden den Führerscheinnachwuchs aus!

    Was soll man gegen sowas tun? Bei der Polizei braucht man es da gar nicht erst zu versuchen. Völlig klar und logisch, dass es auf den Straßen so zugeht, wie es nunmal zugeht – Krieg. Aber Krieg ist ja bekanntlich gut fürs Geschäft, gut für das Wachstum, gut für die Autoindustrie. Klingt sehr zynisch, ist es auch, aber zu anderen, "schöneren" Schlußfolgerungen bin ich nicht mehr in der Lage.

    • Ich ahne ja gerade erst, welcher Jochen hier schreibt 😀
      Hast Du Dich schon an den neuen Lenker gewöhnt?

      Die Story mit dem Fahrlehrer ist eigentlich schon unglaublich. Meine Schlußfolgerung ist mittlerweile: Wenn man es, selbst unter Einhaltung aller Verkehrsregeln, sowieso keinem recht machen kann, lass ich halt den Kampfradler raus und fahre wie es mir am besten erscheint. Einzige Ausnahme: Auf Fußgänger wird Rücksicht genommen (Außer den Schnöseln, die im Königsborner Tor über den Radweg latschen). Ansonsten nehm ich mir mein Recht. Etwas ungünstig ist das für die vernünftigen Autofahrer, die hinter mir sind. Könnte ich ohne Angst weiter rechts fahren, wäre das Überholen für sie viel einfacher. In Schweden habe ich mich auf Landstraßen sicherer gefühlt, als hier in 30er-Zonen. Soweit links zu fahren, wir hier, wäre mir dort unhöflich vorgekommen. Dann hätten die Schweden gar nicht mehr überholt.

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